Fort Bliss, benannt nach Oberstleutnant William Bliss, einem Mathematik-Genie und Schwiegersohn vom Präsidenten Zachary Taylor, ist ein Militärstützpunkt der US-Armee in El Paso, Texas. Fort Bliss hat eine Fläche von etwa 4.400 km² und ist somit die zweitgrößte militärische Einrichtung der US-Armee nach der benachbarten White-Sands-Missile-Range.
Mit einer Größe von 3.900 km² hat Fort Bliss den größten zusammenhängenden gesperrten Luftraum auf dem US-Festland. Dieser wird für die Raketen- und Artillerie-Ausbildung, sowie für Tests an verschiedenen Waffensystemen genutzt.
Fort Bliss ist die Heimat der 1st Armored Division, die im Jahre 2011 nach 40 Jahren Stationierung in Deutschland wieder in die Vereinigten Staaten verlegt wurde.
Bestandteil von Fort Bliss ist auch der Militärflughafen Biggs Field. Im Oktober 2011 wurde der Flugplatz Heimat der Combat-Aviation-Brigade der 1st Armored Division. Biggs Field, das in früheren Zeiten Biggs Air Force Base hieß, wird seit 1973 als Ausgangspunkt für alle militärischen Operationen der in Fort Bliss stationierten US-Army-Einheiten genutzt.

Post opposite El Paso del Norte (1849–1854)
Am 7. November 1848 ordnete das amerikanische Kriegsministerium mit dem Befehl Nr. 58 die Einrichtung eines Militärstützpunktes gegenüber von El Paso del Norte (jetzt Ciudad Juárez) an.
Als die Soldaten der 3. US-Infanterie („The Old Guard“, das derzeit älteste aktive Regiment in der US-Armee) am 8. November 1849 an der Nordseite des Rio Grande ankamen, fanden sie nur vier kleine und verstreute Siedlungen vor.
Unter dem Kommando von Major Jefferson Van Horne errichteten die Soldaten den Militärstützpunkt an der Stelle der Coon Ranch (jetzt Innenstadt El Paso).


Post of El Paso (1854), Fort Bliss, (1854-1868)
Am 11. Januar 1854 wurde der Militärstützpunkt von El Paso an der Coon Ranch aufgelöst und in Magoffinsville neu gegründet. Noch im gleichen Jahr, am 8. März 1854 wurde der Stützpunkt in Fort Bliss umbenannt und diente für die nächsten 14 Jahre als Militärstützpunkt, um die Gegend gegen Angriffe der Apachen zu schützen.
Bei Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges wurde befohlen, den Stützpunkt Fort Bliss an die Konföderierten zu übergeben, was Oberst Isaac Van Duzen Reeve am 31. März 1861 tat.

Camp Concordia (1868–1876)
Nach der großen Überflutung des Rio Grande im Mai 1867, bei der Fort Bliss stark beschädigt wurde, musste Fort Bliss am Standort Magoffinsville aufgegeben werden. Der neue Standort und Name des Forts war von nun an Camp Concordia.
Camp Concordia lag südlich der heutigen I-10, gegenüber des Concordia Cemetery. Auch an neuer Stelle wurde der Name wieder in Fort Bliss geändert, allerdings erst ein Jahr später, am 11. März 1869. Im Jahre 1877 wurde das Fort aufgegeben und El Paso hatte über ein Jahr keinen Militärstützpunkt.

Hart's Mill (1878–1893)
Am Neujahrstag 1878 wurde die L-Kompanie der „Buffalo Soldiers“ der 9. Kavalarie und die C-Kompanie der 15. Infantrie nach El Paso befohlen, um Spannungen aufgrund der Nutzung der Salinen und der Bewässerungsanlagen des Rio Grande zu verhindern. Fort Bliss ist wieder auferstanden, dieses Mal auf der Westseite von El Paso. An der Stelle der heutigen UTEP (University of Texas in El Paso) wurde ein Gebiet von 135 acres (0,55km²) gekauft. Hart`s Mill. 

Fort Bliss, El Paso, Texas, ca. 1885 
Fort Bliss, El Paso, Texas, ca. 1885, DeGolyer Library, Southern Methodist University
Altes Gebäude
Gebäude aus der Zeit als Fort Bliss im Bereich der Hart´s Mill stand, 1878 - 1893

Heutiger Standort (1893- Heute)
Der Ort, an dem das heutige Fort Bliss liegt (La Noria Mesa), wurde von Captain John Ruhlen festgelegt und von 1891 bis 1892 ausgebaut. Die ersten Einheiten waren vier Kompanien der 18. Infantrie. Sie erreichten Fort Bliss im Oktober 1893.

4th Cavalery Regiment, Fort Bliss, Texas, 1910 - 1919. DeGolyer Library, Southern Methodist University
Pferde-Station, Fort Bliss, Texas, 1910 - 1917 DeGolyer Library, Southern Methodist University
Volgelperspektive von Fort Bliss, Texas, ca. 1916, DeGolyer Library, Southern Methodist University

1. Weltkrieg
General John J. „Black Jack“ Pershing verlegte 1914 mit der 8. Brigade von San Francisco nach Fort Bliss, wo er als Commander der Expeditionary Forces (AEF) von 1917-1918 für die Organisation, Ausbildung und Versorgung von unerfahrenen Soldaten verantwortlich war. Die so entstandene National Army of World War 1 wuchs von 27.000 Soldaten auf über 2.000.000 Soldaten auf. 

Soldaten zu Pferd, Fort Bliss, Texas, ca. 1916, DeGolyer Library, Southern Methodist University
Fort Bliss, Texas, ca. 1916, DeGolyer Library, Southern Methodist University

2. Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg konzentrierten sich die Einheiten in Fort Bliss auf die Ausbildung der Flak-Artillerie-Bataillone. Im September 1940 wurde das Coast Artillery`s anti-aircraft training center etabliert.
Am 3. August 1944 wurde die Flak-Artillerie-Schule von Camp Davis nach Fort Bliss verlegt, um die Ausbildung des Flugabwehrpersonals zu erleichtern. Nach der Verlegung der US 1st Cavalry Division aus Fort Bliss dominierte die Flugabwehr das Geschehen in El Paso.
Ab dem 15. September 1942 benötigte das US-Kriegsministerium Platz für 1.350 Kriegsgefangene. Während des Baus von Kriegsgefangenenlagern, wurde die Kriegsgefangen zunächst in Kasernen untergebracht.
In Fort Bliss wurden während des Krieges rund 91 deutsche, Italo-Amerikaner und Japaner von der Insel Hawaii in Fort Bliss interniert.

1946: Eine Gruppe von 104 deutschen Raketenwissenschaftler im Jahr 1946, darunter Wernher von Braun, Ludwig Roth und Arthur Rudolph, in Fort Bliss, Texas. Die Wissenschaftler wurden in zwei Gruppen eingeteilt: eine kleine Gruppe in White Sands für die Teststarts und die größere in Fort Bliss für For-schung. Viele dieser Wissenschaftler waren an der Entwicklung der V1- und V2-Raketen in Peenemünde beteiligt. Sie kamen nach dem 2. Weltkrieg in die Vereinigten Staaten, um an der Entwicklung der Explorer 1 Weltraumrakete und der Saturnrakete bei der NASA zu arbeiten

Bis zum Februar 1946 erreichten mehr als 100 deutsche Wissenschaftler um Wernher v. Braun Fort Bliss, die unter dem Decknamen „Operation Paperclip“ Raketen entwickeln sollten.
Die Raketenwissenschaftler, die während des 2. Weltkriegs für das Nazi-Regime die V1- und V2-Raketen entwickelt und gebaut haben, wurden einer Entwicklungsabteilung und einer Testabteilung zugeteilt, die zunächst V2-Tests in White Sands durchgeführt haben.
Ab Dezember 1946 erreichten die Familienangehörigen der Wissenschaftler El Paso und im Frühjahr 1948 waren 127 deutsche Raketenspezialisten ("Prisoners of Peace") in den USA.

Der kalte Krieg
Die Vereinigten Staaten wurden immer besser beim Bau und Betrieb von Raketen, und somit wuchs auch die Bedeutung von Fort Bliss und White Sands Missile Range als Flugabwehrzentrum. Dementsprechend wurden beide Militäranlagen ständig erweitert.
Am 1. Juli 1957 wurde das U.S. Army Air Defense Center in Fort Bliss aufgestellt. Dem angeschlossen war u.a. auch die U.S. Army Air Defense School.
1957 wurden in der U.S. Army die Flugabwehrsysteme Nike Ajax, Nike Hercules, Hawk, Sprint, Chaparral und Redeye eingeführt. Somit begannen auch die Flugabwehreinheiten in Fort Bliss mit der Nutzung dieser Waffensysteme.
Fort Bliss übernahm eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Übungsgebieten für Übungen und Live-Firing-Übungen mit den neuen Flugabwehrsystemen. Fort Bliss war auch das Zentrum für die Weiterentwicklung von Flugabwehrsystemen und die Einführung des Flugabwehrsystems PATRIOT in den 1980er Jahren.

Luftaufnahme von Fort Bliss vom 5. Mai 1968, Quelle: Butch, 1968

Krieg dem Terror
Nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001, unterstützen die Flugabwehreinheiten von Fort Bliss die U.S. und NATO-Truppen in Afghanistan und im Irak. Dabei entwickelte sich Fort Bliss und Biggs Field zu einem der größten Verlegezentren für Soldaten, die nach Afghanistan und in den Irak verlegt wurden.

Umstrukturierungen in den letzten Jahren
Im Jahr 2005 empfahl das Pentagon, Fort Bliss in einen Trainings-Stützpunkt für gepanzerte Einheiten umzuwandeln. Vorgeschlagen wurde, die 1st Armored Division mit 11.500 Soldaten von Deutschland nach El Paso zu verlegen. Zusätzlich sollten Einheiten aus Fort Sill und Fort Hood dazukommen.
Es sollten schätzungsweise 15.918 militärischen und 384 zivile Arbeitsplätze nach Fort Bliss verlegt werden, sodass nach Abschluss aller Maßnahmen im Jahre 2012 die Gesamtzahl der in Fort Bliss stationierten Soldaten auf insgesamt 33.500 anwachsen sollte.
Die zu diesem Zeitpunkt in Fort Bliss stationierte Air Defense Artillery Schule, 6. ADA Brigade, und die dazugehörige Ausrüstung (einschließlich des PATRIOT Flugabwehrsystem) mit rund 4.500 Soldaten wurden nach Fort Sill verlegt. Die gesamte Umstrukturierung des Standortes Fort Bliss wurde am 15.
September 2011 abgeschlossen.