El Paso (Texas): The Sun City
El Paso ist die sechstgrößte Stadt in Texas und der Verwaltungssitz des gleichnamigen El Paso County. Die Handels-, Universitäts- und Garnisonsstadt im äußersten Westen von Texas liegt an der Grenze zu New Mexico und Mexiko und hatte im April 2010 laut Volkszählung 649.121 Einwohner.
Mit umliegenden Gemeinden und ihrer am südlichen Ufer des Rio Grande gelegenen mexikanischen Schwesterstadt Ciudad Juárez mit ihren rund 1,3 Mio. Einwohnern bildet sie einen Metropolkomplex von etwa 2,0 Mio. Einwohnern.
Durch ihre Lage inmitten der Chihuahua-Wüste mit heißem, trockenem Klima genießt El Paso heiße Sommer mit geringen Niederschlägen und milde Winter. Über das Jahr verzeichnet die Stadt durchschnittlich 302 Sonnentage, woraus El Paso seinen Beinamen „Sun City“ bezieht.
Mit über 70 % stellen die Hispanics den größten Anteil der Bevölkerung El Pasos. Wie in weiten Teilen des Südwestens der Vereinigten Staaten (und Florida) stellt somit eine USA-weite ethnische Minderheit hier die Mehrheit der Bevölkerung. In weiten Bereichen von Wirtschaft und Verwaltung ist Zweisprachigkeit wichtiges Einstellungskriterium.

Historie
In den späten 1650er Jahren bauten spanische Missionare die Mission „Nuestra Señora de Guadalupe“ am Südufer des Rio Bravo del Norte (jetzt der Rio Grande) ungefähr an der Stelle, wo das heutige Ciudad Juárez liegt. Sie besteht bis heute im Zentrum des modernen Ciudad Juárez. 1659 gründeten spanische Eroberer an dieser Stelle den Ort El Paso del Norte (spanisch: Pass des Nordens).
Im Jahre 1804 zog es amerikanische Landvermesser, Händler und Trapper in die Gegend um El Paso, jedoch kam es dort erst nach dem mexikanisch-amerikanischen Krieg von 1849 zu nennenswerten und dauerhaften Besiedlungen.
Die Revolution in Texas von 1836 hatte für die Gegend keine Bedeutung; bis zum Jahr 1848 wurde sie nicht als Teil des Staates Texas angesehen. Angesichts der unklaren Ansprüche der Republik Texas auf Teile des Santa Fe-Handels sorgte der Vertrag von Guadalupe Hidalgo dafür, dass die bisherigen Siedlungen auf der Nordseite des Flusses unter amerikanische Hoheit kamen und somit deren Trennung vom bisherigen El Paso del Norte auf der mexikanischen Seite vollzogen wurde.
Die Postkutschen- und Postreiterlinie Butterfield Overland Mail dehnte ihren Dienst im Jahr 1858 in die Gegend aus. Eine Siedlung auf Coons' Ranch mit dem Namen Franklin wurde zur Keimzelle des heutigen El Paso (Texas). Ein Jahr später vollendete der Landentwickler und General Anson Mills seinen Bebauungsplan für die Stadt El Paso – und wählte somit einen Namen für die Ortschaft.
Im Jahr 1854 wurde ein Militärlager mit dem Namen „The Post opposite El Paso“ (Das Lager gegenüber von El Paso; gemeint als: auf der anderen Flussseite gegenüber von El Paso del Norte) eingerichtet. Die Abspaltung der Südstaaten – darunter auch Texas – vom Norden Amerikas während des Bürgerkrieges führte im Jahre 1861 zur Gründung der Konföderierten Staaten von Amerika. Fort Bliss, wie der Armeeposten nunmehr hieß, und die anderen Garnisonen der konföderierten Armee entlang des Rio Grande waren wichtige Stützpunkte der Südstaaten, um den Anspruch auf das Territorium von New Mexico zu sichern.
Als 1881 durch den Bau von Eisenbahnstrecken bisher kleine Flecken am Rio Grande Anschluss an die größeren Städte fand, begann El Paso zu wachsen und erreichte zur Volkszählung 1890 die Zahl von 10.000 Einwohnern.
Die Goldenen Zwanziger brachten weiteren Aufschwung für die Stadt. Der Gründer des Hilton Hotel-Imperiums, Conrad Hilton, baute 1930 sein erstes Hotel in El Paso, das heutige Plaza Hotel. Mehrere Großunternehmer setzten die Eckpfeiler für die lang anhaltende gute wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schaffte die US-Armee die eroberten Konstruktionsunterlagen und Teile des deutschen Raketenprogramms zusammen mit den Raketenkonstrukteuren um Wernher von Braun zuerst nach El Paso, um sie dann weiter nach Huntsville im Bundesstaat Alabama zu bringen, wo sie die Arbeiten am US-amerikanischen Raketen- und Raumfahrtprogramm entscheidend vorantreiben sollten. Im Raketenmuseum von Fort Bliss ist heute neben vielen weiteren Exponaten eine V2-Rakete ausgestellt.
Bis in die 1980er Jahre hinein entwickelte sich El Paso in einem rasanten Tempo. Fort Bliss verlor seine ehemalige Stellung als Grenzposten und entwickelte sich zu einem der großen Militärzentren des Kalten Kriegs. Das brachte Tausende von Soldaten, Zivilbedienstete, Familienangehörige und Armee-Pensionäre in die Stadt.
Zu den beherrschenden Industriebetrieben gehörten eine Kupferhütte (ASARCO), mehrere Erdölraffinerien sowie zahlreiche Niedriglohnbetriebe, zum Beispiel in der Textilverarbeitung, was speziell zur Einwanderung von Tausenden mexikanischer Arbeitern führte. El Paso vergrößerte sich durch Bau neuer Stadtteile, speziell im Nordwesten, Norden und im Osten der alten Kernstadt.
In den 1990er Jahren machte die Stadt eine negative wirtschaftliche Entwicklung durch. Ursachen dafür waren vor allem die tatsächliche oder angedrohte Abwanderung von Unternehmen in Niedriglohnländer, die Schließung der Kupferhütte aufgrund fallender Weltmarktpreise und steigender Umweltbelastungen durch Bleiemissionen im Umland.
Derzeit erlebt El Paso einen erneuten Aufschwung. Zahlreiche Baumaßnahmen in der Stadt, darunter bedeutende Straßenbauprojekte, die Erweiterung von Fort Bliss und von Biggs Army Airfield sorgen derzeit für eine Belebung der lokalen Wirtschaftskraft. Die Vergrößerung beider Militärkomplexe wird darüber hinaus einen bedeutenden Zuwachs der Bevölkerung bringen, die Bedeutung für die lokale Wirtschaft daraus wird auf eine dreistellige Millionenhöhe pro Jahr geschätzt.
El Paso ist ein bedeutender Grenzübergangspunkt im Waren-, Personen- und Dienstleistungsverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Als ehemaliger Standort der kupfererzeugenden Industrie steht die Stadt heute wirtschaftlich auf mehreren Standbeinen. Dazu zählen neben der verbliebenen Erdölverarbeitung durch Raffinerien vor allem die Kunststofferzeugung, die Textil-, Rüstungs- und Elektronikindustrie sowie die Landwirtschaft